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Die Durchführung einer prothetischen Versorgung ohne vorherige Behandlung einer objektiv vorliegenden CMD stellt einen groben Behandlungsfehler dar

Mit Urteil vom 04.07.2014 (Az.: I-26 U 131/13, 26 U 131/13) stellte das Oberlandesgericht (OLG) Hamm fest, dass ein grober Behandlungsfehler vorliegt, wenn bei Bestehen einer objektiven craniomandibulären Dysfunktion (CMD) keine funktionelle Therapie erfolgt und die endgültige prothetische Versorgung ohne abzuwarten durchgeführt wird.
Der Beklagte begab sich in die Behandlung des Klägers, um eine prothetische Versorgung durchführen zu lassen. Nach Durchführung der Behandlung erhob der behandelnde Zahnarzt Zahlungsklage, um die Vergütung seiner erbrachten Leistungen zu erwirken. Daraufhin erhob der beklagte Patient Widerklage und begehrte seinerseits Schadenersatz aufgrund eines vermeintlichen Behandlungsfehlers. Das Landgericht entschied in erster Instanz zu Gunsten des Beklagten und die Zahlungsklage des Zahnarztes wurde abgewiesen. Er wurde aufgrund des Vorliegens eines groben Behandlungsfehlers zur Zahlung von 7.000 € Schmerzensgeld verurteilt und es wurde die Feststellung einer weitergehenden Ersatzpflicht bezüglich zukünftig entstehender Behandlungskosten getroffen. Gegen die Zahlungspflicht und die Feststellung legte der Kläger Berufung ein.
Das OLG Hamm lehnte die Berufung des Klägers als unbegründet ab. Die Entscheidung des Landgerichts sei nicht zu beanstanden. Da der Kläger vor der definitiven Eingliederung der Prothetik die objektiv bereits vorhandene CMD nicht funktionell behandelte, liege ein grober Behandlungsfehler vor, der den Anspruch des Beklagten begründe.
Das Gericht war zu der Überzeugung gelangt, dass die CMD bereits vor der Behandlung vorgelegen habe. Dies folge zunächst aus der Dokumentation des Klägers, in der er das Vorliegen von „dysfunktionellen Kaugewohnheiten“ festhielt. Soweit der Kläger vorbringt, dass er lediglich einen Bruxismus festgestellt habe, könne dies nicht überzeugen, da ein entsprechender Funktionsstatus fehle. Ebenso reiche die Erklärung, das Dokumentationsprogramm habe die betreffende Angabe so vorgesehen, nicht aus. In diesem Falle hätte der Kläger notfalls handschriftlich die exakte Diagnose eintragen müssen. Auch die Tatsache, dass der Beklagte bis zur Eingliederung des Zahnersatzes keine Beschwerden hatte, entlaste den Kläger nicht. Der medizinische Sachverständige habe überzeugend dargelegt, dass eine CMD auch ohne subjektive Beschwerden objektiv vorliegen könne.
Aufgrund des objektiven Vorliegens einer CMD hätte der Kläger vor Eingliederung des Zahnersatzes eine mehrmonatige funktionelle Therapie zur Behebung der CMD durchführen müssen, um den Erfolg der späteren Behandlung nicht zu gefährden. Das Unterlassen dieser erforderlichen Therapie stelle einen aus medizinischer Sicht so elementaren Fehler dar, der aus zahnärztlicher Sicht nicht mehr verständlich sei. Damit liege ein grober Behandlungsfehler vor, mit der Folge, dass der Widerklage des Patienten zu Recht stattgegeben wurde.

10.03.2015
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