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Notwendigkeit einer Funktionsanalyse bei Zahnersatz

Die Klägerin begab sich Anfang 2007 in eine umfassende zahnmedizinische Behandlung bei der Beklagten. Nach Abschluss der Behandlung traten bei der Klägerin CMD-Beschwerden auf. Die Klägerin macht geltend, dass vor Beginn der Behandlung eine funktionsanalytische Diagnostik hätte durchgeführt werden müssen, auch wenn (was unstreitig ist) keinerlei Anzeichen für CMD-Beschwerden oder sonstige Erkrankungen im Vorfeld der Behandlung ersichtlich waren. Das Landgericht Köln wies die Klage in seinem Urteil vom 14. Dezember 2010, Az: 3 O 331/09 ab, weshalb sich die Klägerin mit der Berufung an das OLG Köln wendet. Dieses kommt in seinem Beschluss vom 6. Juni 2011, Az: 5 U 10/11 zu folgendem Ergebnis:
Die Berufung wird zurückgewiesen. Wie bereits das OLG Düsseldorf entschieden habe, sei die Durchführung einer funktionsanalytischen Diagnostik vor Beginn der zahnmedizinischen Behandlung grundsätzlich nur dann erforderlich, wenn
„röntgonologische oder klinische Befunde Anlass zu der Annahme geben, dass eine Dysfunktion der Kiefergelenke vorliegt, die entweder schon wegen des Ausmaßes einer krankhaften Veränderung des Gelenkes oder aber aufgrund einer bei dem Patienten bestehenden Beschwerdesymtomatik behandlungsbedürftig ist“ [OLG Köln, Beschluss vom 6. Juni 2011, Az: 5 U 10/11]
Im vorliegenden Fall traten die entsprechenden Beschwerden aber erst Mitte 2008 und damit nach Abschluss der Behandlung auf. Die unterlassene Funktionsanalyse könne daher auch nicht als Behandlungsfehler eingeordnet werden, da ihre Durchführung weder vor noch während der Behandlung medizinisch indiziert war.
Das Gericht stellt ferner fest, dass eine andere rechtliche Einschätzung auch nicht dadurch angezeigt sei, dass (wie von der Klägerin vorgetragen) die Nichtdurchführung einer funktionsanalytischen Diagnostik zur Unaufklärbarkeit einiger von ihr zu beweisenden Tatsachen geführt habe. Die Durchführung einer Funktionsanalyse erfolge aufgrund medizinischer Indizierung, aber nicht um die Beweissituation des Patienten in einem späteren Arzthaftungsprozess zu verbessern.

20.12.2011
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